Schlagwort Nr.: 7058
Titel: Antiultramontanistischer Reichsverband
Kommentar: Der "Antiultramontanistische Reichsverband" entstand 1906 durch den Zusammenschluss der "Antiultramontanen Vereine Badens" mit der "Antiultramontanen Wahlvereinigung" mit Sitz in Berlin. Letztere stand in enger Verbindung mit dem "Evangelischen Bund zur Wahrung der deutsch-protestantischen Interessen", dem größten antikatholischen Verband des Kaiserreichs. Die formelle Gründung fand am 26. Mai 1907 in Eisenach statt.
Der "Antiultramontanistische Reichsverband" verstand sich als überparteilich und überkonfessionell, dabei jedoch ausdrücklich als nicht antikatholisch. Er trat für die Trennung von Kirche und Staat sowie von Kirche und Schule ein und sah insbesondere in der Zentrumspartei einen Hauptgegner. Zur Durchsetzung seiner Ziele benutzte der Verband Eingaben an die Parlamente, Vorträge, Wanderversammlungen und Flugschriften. Für die ideologische Ausrichtung zeichnete sich maßgeblich der Ex-Katholik, Ex-Jesuit und Publizist Graf Paul von Hoensbroech verantwortlich. Es sind keine Mitgliederzahlen überliefert, doch war der Verband reichsweit verbreitet. Die Mitglieder stammten wohl vor allem aus dem Milieu des liberalen Kulturprotestantismus.
Mit Beginn des Ersten Weltkrieges stellte der " Antiultramontanistische Reichsverband" seine Tätigkeit zunächst ein, trat aber 1916 als "Deutscher Reichsverband für staatliche und kulturelle Unabhängigkeit" mit einem Beitrag zur Kriegszieldiskussion wieder in Erscheinung. Ab 1920 agierte der Verband wieder unter seinem alten Namen, verfügte nun jedoch offenbar über weit weniger Mitglieder und gesellschaftlichen Einfluss. Er gab die Zeitschrift "Antiultramontane Blätter zur Lehr und Wehr" heraus, die allerdings nur sporadisch erschienen. Von Hoensbroech war weiterhin maßgeblich involviert. Letztmalig nachweisbar ist der Verband 1928, als er sich mit anderen rechtskonservativen Gruppen zum "Völkischen Kampfblock (Völkisch-nationaler Block)" zusammenschloss.
Literatur:

SCHLOSSMACHER, Norbert, Der Antiultramonatanismus im Wilhelminischen Deutschland. Ein Versuch, in: LOTH, Wilfried (Hg.), Deutscher Katholizismus im Umbruch zur Moderne (Konfession und Gesellschaft. Beiträge zur Zeitgeschichte 3), Stuttgart / Berlin / Köln 1991, S. 164-198, hier 167-172.

Online seit: 14. Januar 2013
Empfohlene Zitierweise:
Antiultramontanistischer Reichsverband, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Schlagwort Nr. 7058, URL: <www.pacelli-edition.de/Schlagwort/7058> (Datum 24. November 2017)
Letzte Änderung: 10. März 2014
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Dokument Nr. 1133 - Nuntiaturbericht
Ausfertigung - Pacelli an Gasparri - 1920-06-03