Schlagwort Nr.: 23060
Titel: Apostolisches Vikariat des Nordens
Kommentar: Das Apostolische Vikariat des Nordens bzw. der nordischen Missionen wurde im 17. Jahrhundert als Seelsorgeeinheit für die im Zuge der Reformation fast gänzlich protestantisierten norddeutschen sowie skandinavischen Gebiete eingerichtet, um der verbliebenen katholischen Bevölkerung eine seelsorgliche Basis zu sichern.
Nach dem Untergang der norddeutschen Bistümer in der Reformationszeit wurde die Seelsorge in diesem Gebieten zunächst vom Erzbistum Köln aus durch Nuntien organisiert. 1667 übertrug die Kongregation für die Glaubensverbreitung die Jurisdiktion für die Region um Calenberg, Grubenhagen und Göttingen einem Apostolischen Vikar mit Sitz in Hannover, der bald zum Titularbischof aufstieg. Im Lauf der folgenden Jahrzehnte wurden ihm alle Gebiete der norddeutsch-protestantischen Staaten sowie Dänemarks unterstellt.
Als Anfang des 19. Jahrhunderts in Folge der Säkularisation die Staatsgrenzen zwischen Hannover und Preußen verschoben und die Bistumsgrenzen zwischen Osnabrück, Hildesheim, Paderborn und Breslau neu umschrieben wurden, wurde das Territorium des Apostolischen Vikariats verkleinert. Es umfasste nun die Hansestädte Bremen, Hamburg und Lübeck, sowie Schleswig-Holstein, Schaumburg-Lippe, Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg-Strelitz, Dänemark und Norwegen. Der Versuch von 1841, eine eigene Kirchenleitung für die nordischen Missionsgebiete in Gestalt eines Apostolischen Vikars in Hamburg zu errichten, misslang. Daher wurde – wie bereits in den vorangegangenen Jahrzehnten zugunsten des Bischofs von Paderborn geschehen – die Leitung des Vikariats dem Bischof von Osnabrück in Personalunion übertragen.
Das immer noch riesige und unübersichtliche Gebiet wurde 1868 aufgeteilt: Dänemark und Norwegen wurden zu einer eigenständigen Seelsorgeeinheit zusammengefasst, während die deutschsprachigen Gebiete im Vikariat verblieben.
1930 wurde das Territorium im Zuge der Neuumschreibung der Preußischen Bistümer dem Bistum Osnabrück einverleibt. Damit wurde die Zugehörigkeit, die faktisch schon lange bestanden hatte, formell vollzogen.
Literatur:

GATZ, Erwin, Bistum Osnabrück und Apostolisches Vikariat der Nordischen Missionen, in: DERS. (Hg.), Die Bistümer der deutschsprachigen Länder von der Säkularisation bis zur Gegenwart, Freiburg im Breisgau 2005, S. 547-565.

METZLER, Johannes, Die apostolischen Vikariate des Nordens. Ihre Entstehung, ihre Entwicklung und ihre Verwaltung. Ein Beitrag zur Geschichte der nordischen Missionen, Paderborn 1919.

ROSSUM, Wilhelm Marinus van, Die religiöse Lage der Katholiken in den nordischen Ländern, München 1924.

Online seit: 23. Juli 2014
Empfohlene Zitierweise:
Apostolisches Vikariat des Nordens, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Schlagwort Nr. 23060, URL: <www.pacelli-edition.de/Schlagwort/23060> (Datum 20. November 2017)
Letzte Änderung: 23. Juli 2014
Verknüpfte Dokumente (2)
Dokument Nr. 13364 - Nuntiaturbericht
Ausfertigung rekonstruiert nach Entwurf - Pacelli an De Lai - 1923-02-15
Dokument Nr. 2488 - Weisung
- Sanz de Samper y Campuzano an Pacelli - 1925-10-16